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Exakt vierzig Tage nach Weihnachten taucht das christliche liturgische Jahr in einen besonderen Moment aus warmem, flackerndem Licht ein: das Fest der Darstellung des Herrn, auch bekannt als Mariä Lichtmess oder Reinigung Mariens.
Viele Gläubige entscheiden sich für Kerzen für Mariä Lichtmess handgefertigt nach traditionellem Brauchtum, um die Symbolkraft des Lichts in dieser besonderen Feier noch intensiver zu erleben. Dieses Fest, das oft vom Glanz der Weihnachtszeit überstrahlt wird, birgt eine tiefe Symbolik des Übergangs, der Reinigung und vor allem des sich ausbreitenden Lichts.
Das zentrale Element der häuslichen und liturgischen Feiern sind genau diese Kerzen, deren Leuchten die zentrale Botschaft verkörpert.
Die biblische und theologische Bedeutung des Festes der Darstellung des Herrn
Das Fest der Darstellung erinnert an zwei miteinander verbundene Ereignisse aus dem Lukasevangelium (Lk 2,22–39). Nach dem jüdischen Gesetz gingen Maria und Josef vierzig Tage nach der Geburt Jesu in den Tempel von Jerusalem. Dies diente zwei Zwecken: der Reinigung Mariens nach der Geburt und der Darstellung beziehungsweise Darbringung ihres erstgeborenen Sohnes vor Gott. Hier offenbaren sich die Demut und Frömmigkeit der Heiligen Familie, die sich den religiösen Vorschriften unterordnet.
Im Tempel begegnen sie zwei prophetischen Gestalten: dem gerechten und frommen Simeon und der Prophetin Hanna. Simeon, dem der Heilige Geist verheißen hatte, er werde den Tod nicht sehen, bevor er den Messias gesehen habe, nimmt das Kind in seine Arme und spricht die berühmten Worte, die das Fest prägen: das „Nunc dimittis“ – „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht in Frieden scheiden nach deinem Wort.
Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Nationen bereitet hast: ein Licht, das die Völker erhellt, und die Herrlichkeit deines Volkes Israel. In diesem Moment wird das Jesuskind als das „Licht zur Erleuchtung der Völker“ verkündet – die zentrale theologische Aussage, von der sich der Name „Lichtmess“ und der Brauch der Lichterprozessionen ableiten.
Traditionen und Bräuche rund um die Lichtmesskerzen
Die Symbolik des Lichts zeigt sich in zahlreichen, teils sehr alten Bräuchen, in denen die Kerzen die Hauptrolle spielen. Der bekannteste ist die feierliche Lichterprozession, die die Worte Simeons sichtbar macht. Die Gläubigen ziehen mit gesegneten Kerzen in den Händen in die Kirche ein – ein Zeichen dafür, dass Christus, das Licht der Welt, in sein Haus, die Kirche, eingetreten ist und nun von uns in die Welt getragen wird.
Von zentraler Bedeutung ist die Segnung der Kerzen. An diesem Tag werden traditionell alle Kerzen für den häuslichen und kirchlichen Gebrauch des beginnenden Jahres gesegnet: große Opferkerzen, Altarkerzen, Taufkerzen und Kerzen für die Osterkerze, aber auch die feinen Lichtmesskerzen, die oft kunstvoll verziert sind und für den Hausgebrauch bestimmt sind. Durch diese Segnung wird die symbolische Kraft des Lichtes Christi auf das Material übertragen.
Die gesegneten Kerzen, im Volksglauben auch „Marienkerzen“ oder „Lichtmesskerzen“ genannt, galten als mit einer schützenden Kraft versehen. Man entzündete sie bei Gewittern, stellte sie ins Fenster, um ruhelosen Seelen den Weg zu weisen, oder hielt sie am Bett von Kranken und Wöchnerinnen brennend, um Schutz und Segen zu erbitten.
Hier kommt die Wertschätzung handgefertigter Kerzen nach altem Brauchtum ins Spiel. In einer Zeit der Massenproduktion verleiht die handwerkliche Herstellung dem Objekt eine besondere Würde und eine tiefe Verbindung zur Tradition. Das Gießen, Ziehen oder Formen des Wachses, oft in klösterlichen Werkstätten oder kleinen Familienbetrieben, wird selbst zu einem Akt der Vorbereitung auf das Fest.
Die Kerze ist nicht nur ein Gebrauchsgegenstand, sondern ein individuelles Symbol, geschaffen mit Absicht und Sorgfalt. Wer eine solche Kerze am Festtag zu Hause entzündet, verbindet persönlichen Glauben, das Bewusstsein für altes Handwerk und die Teilnahme an einer großen, zeitlosen Symbolik.
Mariä Lichtmess im christlichen Jahreskreis: ein Fest des Übergangs
Das Fest der Darstellung des Herrn steht an einer markanten Schnittstelle des liturgischen Jahres. Es markiert den offiziellen Abschluss des Weihnachtskreises. In vielen Kirchen und Haushalten werden an diesem Tag die Krippen und der Weihnachtsbaum endgültig abgebaut. Das Licht, das in der Heiligen Nacht als kleine Flamme in der Dunkelheit aufleuchtete, wird nun von Simeon als das Heil für alle Völker verkündet und gleichsam als Auftrag in unsere Hände gelegt.
Zugleich ist Lichtmess ein Vorausblick auf das kommende Osterfest. Die Darstellung Jesu im Tempel, verbunden mit der prophetischen Ankündigung von Leiden und Auferstehung (Simeon sagt zu Maria, dass „ein Schwert ihre Seele durchbohren wird“), weist bereits auf den Kreuzweg hin. In der Liturgie beginnt nach Lichtmess allmählich die Vorbereitungszeit auf die Fastenzeit und Ostern.
Das weitergegebene Licht
Das Fest der Darstellung des Herrn ist eine Feier von stiller Tiefe. Es verbindet Demut und Herrlichkeit, Abschied und Neubeginn, persönlichen Glauben und universale Sendung. In den handgefertigten Lichtmesskerzen verdichtet sich diese reiche Symbolik auf einzigartige Weise.
Sie sind mehr als nur Wachs und Docht. Sie sind ein Stück gelebter Tradition, ein Träger des Segens für das Zuhause und eine greifbare Erinnerung an den Kern des Festes: dass wir berufen sind, das Licht Christi, das uns in der Taufe anvertraut wurde, in die Welt zu tragen.
Eine Lichtmesskerze zu entzünden ist daher ein kleines, aber bedeutungsvolles Ritual. Es ist eine bewusste Pause im oft hektischen Rhythmus des Jahres, ein Dank für das erfahrene Heil und ein stilles Versprechen, ein wenig Wärme und Licht in die eigene Umgebung zu bringen – ganz im Sinne des alten Simeon, der in einem kleinen Kind das Licht der Welt erkannte.





