Jedes Jahr ziehen Zehntausende junge Menschen ins Ausland, um bei einer Gastfamilie zu leben, Kinder zu betreuen und eine Sprache zu lernen. Dafür gibt es einen festen Begriff: Au Pair. Das klingt einfach, doch die Details unterscheiden sich von Land zu Land deutlich. Arbeitszeit, Taschengeld, Visum, Altersgrenze und Kosten hängen davon ab, wohin es geht.
Dieser Ratgeber erklärt, was ein Au Pair ist, welche Aufgaben dazugehören, wer teilnehmen kann, wie der Ablauf aussieht und was das Ganze kostet. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Deutschland und den USA. Der Text richtet sich an junge Menschen, die ins Ausland möchten, und an Familien, die ein Au Pair aufnehmen wollen.
Was ist ein Au Pair? Definition und Bedeutung
Ein Au Pair ist ein junger Mensch, meist zwischen 18 und 26 Jahren (in manchen Ländern bis 30), der bei einer Gastfamilie im Ausland lebt und bei der Kinderbetreuung sowie leichten Haushaltsarbeiten hilft. Als Gegenleistung stellt die Gastfamilie dem Au-pair ein eigenes Zimmer, kostenlose Verpflegung und ein regelmäßiges Taschengeld zur Verfügung. Im Mittelpunkt stehen der kulturelle Austausch und das Erlernen der Sprache, nicht eine Vollzeitbeschäftigung.
Das ist die Au Pair Definition in Kurzform. Das Wort stammt aus dem Französischen und bedeutet sinngemäß “auf Gegenseitigkeit” oder “gleichberechtigt”. Gemeint ist: Der junge Gast gehört als Familienmitglied auf Zeit dazu und ist keine bezahlte Hilfskraft. Manche tippen bei der Suche “au pair au pair” ein, weil sie sowohl den Begriff als auch das Programm erklärt haben möchten. Beides finden Sie hier.
Au Pair oder Kindermädchen: Wo liegt der Unterschied?
Die beiden Rollen werden oft verwechselt.
- Au Pair: Teilnehmer an einem Kulturaustausch. Begrenzte Arbeitszeit, leichte Aufgaben, Taschengeld statt Lohn, Wohnen in der Familie.
- Nanny oder Kindermädchen: professionelle Betreuungskraft. Sie erhält ein vollständiges Gehalt, arbeitet oft länger und bringt meist eine Ausbildung oder langjährige Erfahrung mit.
- Haushaltshilfe: wird vor allem für Hausarbeit eingestellt, ohne Austauschgedanken.
Wer eine Vollzeitkraft mit alleiniger Verantwortung für sehr kleine Kinder sucht, ist mit einem Au Pair falsch beraten. Die meisten nationalen Regelungen stellen das ausdrücklich klar.
Aufgaben eines Au Pairs: Was gehört dazu?
Die Aufgaben unterscheiden sich von Familie zu Familie, lassen sich aber in zwei Bereiche einteilen.
Kinderbetreuung
- Kinder wecken, anziehen und beim Frühstück begleiten
- Wege zu Schule, Kindergarten oder Hobbys übernehmen
- Spielen, Vorlesen und bei den Hausaufgaben unterstützen
- Babysitten am Abend, innerhalb der vereinbarten Zeiten
Leichte Hausarbeit
- Kinderzimmer und Spielbereiche aufräumen
- Wäsche der Kinder waschen
- Geschirrspüler ein- und ausräumen, einfache Mahlzeiten für die Kinder zubereiten
- Kleine Besorgungen erledigen
Was ein Au Pair nicht tun sollte
Grundreinigung, Pflege kranker Erwachsener, Mitarbeit im Familienbetrieb oder tägliches Kochen für den ganzen Haushalt gehen über die Rolle hinaus. Gute Gastfamilien halten die Aufgaben von Anfang an schriftlich fest. Wer sich überlastet fühlt, sollte zuerst mit der Familie sprechen und danach die Agentur oder die lokale Betreuungsperson einbeziehen.
Voraussetzungen: Wer kann Au Pair werden?
Jedes Land legt eigene Regeln fest. Die meisten Programme verlangen Folgendes.
- Alter: häufig 18 bis 26 Jahre. Das Europäische Abkommen über die Au-pair-Beschäftigung nennt einen weiteren Rahmen von 17 bis 30 Jahren, den manche Länder nutzen.
- Grundkenntnisse der Sprache: genug, um sich mit der Familie zu verständigen. Für Deutschland werden bei vielen Nationalitäten Grundkenntnisse (meist Niveau A1) erwartet, es gibt aber Ausnahmen.
- Erfahrung mit Kindern: nicht immer gesetzlich vorgeschrieben, aber viele Agenturen und Familien wünschen sich Referenzen. Manche Anbieter verlangen eine Mindestzahl dokumentierter Betreuungsstunden.
- Gesundheit und Führungszeugnis: ein ärztliches Attest und ein polizeiliches Führungszeugnis werden oft verlangt.
- Ledig und ohne eigene Kinder: übliche Agenturvorgabe, aber nicht überall Pflicht.
- Vorübergehender Aufenthalt: Das Au-Pair-Visum ist kein Weg zur dauerhaften Einwanderung.
Auch Gastfamilien müssen Bedingungen erfüllen. Sie stellen ein eigenes Zimmer bereit, müssen finanziell in der Lage sein, das Au Pair aufzunehmen, und in Deutschland muss mindestens ein minderjähriges Kind im Haushalt leben.
So funktioniert das Au Pair Programm: Schritt für Schritt
- Land und Programm wählen. Vergleichen Sie Regeln, Bezahlung, Sprache und Visumverfahren.
- Agentur oder Vermittlungsplattform auswählen. Agenturen prüfen Familien und Bewerber und begleiten den Aufenthalt. In manchen Ländern ist auch eine private Vermittlung möglich, bietet aber weniger Schutz.
- Profil erstellen. Nennen Sie Erfahrung, Sprachen, Hobbys und Ihre Erwartungen an eine Familie.
- Match finden. Sprechen Sie per Videoanruf mit Familien. Fragen Sie nach Arbeitszeiten, Hausregeln, weiteren Hilfskräften und dem Alltag der Kinder.
- Au-Pair-Vertrag unterschreiben. Er sollte Arbeitszeit, Taschengeld, freie Tage, Urlaub, Versicherung und Kündigungsfristen regeln.
- Visum oder Aufenthaltserlaubnis beantragen. Die Anforderungen hängen von Ihrer Staatsangehörigkeit und dem Zielland ab.
- Ankommen und eingewöhnen. Melden Sie sich vor Ort an, besuchen Sie einen Sprachkurs und besprechen Sie die Hausregeln.
- Kontakt zur Agentur halten. Die meisten Anbieter melden sich regelmäßig und helfen bei Problemen.
Au Pair Deutschland: Regeln für den Aufenthalt in Deutschland
Deutschland gehört zu den beliebtesten Zielen in Europa. Die Regeln sind klar und eng gefasst.
- Alter: mindestens 18 Jahre bei der Einreise. Laut Merkblättern der Botschaften liegt die Obergrenze bei 26 Jahren zum Zeitpunkt der Antragstellung.
- Arbeitszeit: höchstens 30 Stunden pro Woche und sechs Stunden pro Tag, Babysitten eingeschlossen.
- Taschengeld: mindestens 280 Euro im Monat. Dieser Betrag gilt für alle Verträge, die seit Oktober 2020 neu abgeschlossen wurden.
- Sprachkurs: Die Gastfamilie beteiligt sich mit 70 Euro monatlich an den Kosten eines Deutschkurses. Die Teilnahme organisiert das Au Pair.
- Versicherung: Die Familie sichert das Au Pair gegen Krankheit, Unfall sowie Schwangerschaft und Geburt ab.
- Dauer: Au Pairs aus Nicht-EU-Staaten dürfen bis zu 12 Monate bleiben, in der Regel nur einmal.
- Freizeit: mindestens ein freier Tag pro Woche sowie bezahlter Urlaub nach Vertrag.
Das Taschengeld ist kein Gehalt. Es unterliegt in der Regel nicht der Sozialversicherungspflicht. Zahlt eine Familie deutlich mehr als den üblichen Betrag, kann ein Beschäftigungsverhältnis mit anderen Pflichten entstehen. Unsichere Familien fragen am besten bei der Agentur für Arbeit oder ihrer Au-Pair-Agentur nach.
Au Pair USA: Das J-1-Programm
Das amerikanische Programm ist das größte der Welt und besonders streng reguliert. Es läuft als J-1-Austauschprogramm unter dem US-Außenministerium. Familien können ein Au Pair nicht privat einladen, das dürfen nur zugelassene Sponsor-Agenturen.
- Alter: 18 bis 26 Jahre.
- Arbeitszeit: bis zu 45 Stunden pro Woche und höchstens 10 Stunden pro Tag.
- Wöchentliches Taschengeld: Das Minimum des Außenministeriums beträgt 2026 laut Agenturangaben 195,75 US-Dollar pro Woche. Es wird aus dem bundesweiten Mindestlohn berechnet, abzüglich eines Anteils für Unterkunft und Verpflegung.
- Bildungszuschuss: Die Gastfamilie trägt bis zu 500 US-Dollar für Kurse bei.
- Dauer: 12 Monate, mit Verlängerungsmöglichkeit. Insgesamt sind höchstens 24 Monate erlaubt.
- Zusätzlich: ein eigenes Schlafzimmer, Verpflegung und meist ein Versicherungspaket über die Agentur.
Agenturen setzen oft eigene Standards, etwa mindestens 200 dokumentierte Stunden Kinderbetreuung, einen Führerschein oder Englischtests. Lesen Sie die Anforderungen deshalb genau, wenn Sie Anbieter vergleichen.
Au Pair Kosten pro Monat: Was kostet ein Au Pair?
Die Kosten sind die häufigste Frage von Familien und Bewerbern. Die folgenden Zahlen sind Schätzungen, keine Festpreise.
Monatliche Kosten für Gastfamilien in Deutschland
- Taschengeld: 280 Euro (gesetzliches Minimum)
- Zuschuss zum Sprachkurs: 70 Euro
- Krankenversicherung: etwa 40 Euro, je nach Anbieter
- Zusätzliche Verpflegung, Nebenkosten und ein Nahverkehrsticket: je nach Haushalt unterschiedlich
- Agenturgebühr: abhängig davon, ob Sie eine Agentur nutzen
Allein die festen Posten ergeben rund 390 Euro im Monat. Nach Verpflegung und Nebenkosten landen viele Familien bei etwa 450 bis 600 Euro pro Monat. Die Reisekosten nach und von Deutschland tragen Au Pairs in der Regel selbst.
Monatliche Kosten für Gastfamilien in den USA
Das Taschengeld von 195,75 Dollar pro Woche entspricht rund 850 Dollar im Monat. Hinzu kommt die Programmgebühr der Agentur. Ein großer Anbieter nennt eine Jahresgebühr von 11.245 Dollar. Rechnet man Verpflegung, Bildungszuschuss und Haushaltskosten dazu, liegt die Summe für ein Jahr häufig über 21.000 Dollar. In Bundesstaaten mit höherem Mindestlohn kann das vorgeschriebene Taschengeld noch höher ausfallen.
Was ein Au Pair selbst bezahlt
Au Pairs zahlen meist Flug, Visagebühren und persönliche Ausgaben. In Deutschland kann außerdem eine geringe Vermittlungsgebühr anfallen. Da Unterkunft und Essen gedeckt sind, bleibt vom Taschengeld oft genug für Reisen und Kurse übrig.
Vor- und Nachteile eines Au-Pair-Aufenthalts
Vorteile
- Tägliche Sprachpraxis im echten Familienalltag
- Niedrige Lebenshaltungskosten, da Wohnen und Essen inklusive sind
- Einblick in eine andere Kultur von innen
- Kontakte durch Sprachkurse und lokale Au-Pair-Gruppen
Nachteile
- Das Taschengeld ist bescheiden, besonders in Deutschland
- Der Erfolg hängt stark von der Gastfamilie ab
- Heimweh und Kulturschock sind in den ersten Wochen häufig
- Die Grenze zwischen Arbeit und Familienleben kann verschwimmen
So finden Sie die passende Gastfamilie oder Agentur
Einige Gewohnheiten machen einen großen Unterschied.
- Fragen Sie nach Referenzen früherer Au Pairs.
- Lassen Sie sich den Wochenplan schriftlich geben, auch für Abende und Wochenenden.
- Prüfen Sie, ob die Agentur registriert ist und eine Ansprechperson vor Ort hat.
- Seien Sie vorsichtig, wenn eine Familie Vollzeitbetreuung, unbezahlte Zusatzaufgaben oder keinen schriftlichen Vertrag verlangt.
- Sprechen Sie offen über Essen, Religion, Rauchen, Haustiere und Fahrerwartungen, bevor Sie etwas unterschreiben.
Eine seriöse Agentur beantwortet all das ohne Zögern.
Häufige Fragen zum Thema Au Pair
Was ist ein Au Pair einfach erklärt?
Ein Au Pair ist ein junger Mensch, der bei einer Gastfamilie im Ausland lebt, bei Kindern und leichter Hausarbeit hilft und dafür Zimmer, Verpflegung und Taschengeld erhält. Der Aufenthalt ist ein Kulturaustausch und kein gewöhnlicher Job.
Wie viel verdient ein Au Pair?
Das hängt vom Land ab. In Deutschland liegt das Minimum bei 280 Euro im Monat. In den USA beträgt das Mindest-Taschengeld 195,75 Dollar pro Woche. Unterkunft und Verpflegung kommen hinzu.
Wie viele Stunden darf ein Au Pair arbeiten?
In Deutschland bis zu 30 Stunden pro Woche und sechs Stunden pro Tag. In den USA bis zu 45 Stunden pro Woche und 10 Stunden pro Tag. Maßgeblich sind immer die Angaben im Vertrag.
Kann ich in Deutschland Au Pair werden, ohne Deutsch zu sprechen?
Meist sind Grundkenntnisse nötig, oft etwa Niveau A1, wobei die Regeln je nach Staatsangehörigkeit variieren. Auch wo sie nicht verlangt werden, erleichtern ein paar Deutschkenntnisse die ersten Wochen erheblich.
Wie alt darf ein Au Pair sein?
Deutschland und die USA verlangen beide mindestens 18 Jahre. Die Obergrenze liegt in Deutschland für Bewerber aus Nicht-EU-Staaten bei 26 Jahren zur Antragstellung, in den USA ebenfalls bei 26. Einige europäische Länder erlauben Bewerber bis 30.
Wie lange kann ein Au Pair bleiben?
Deutschland erlaubt Au Pairs aus Nicht-EU-Staaten bis zu 12 Monate. Das US-Programm dauert 12 Monate und lässt sich bis auf insgesamt 24 Monate verlängern.
Ist ein Au Pair dasselbe wie ein Kindermädchen?
Nein. Ein Au Pair nimmt an einem Kulturaustausch teil, mit begrenzter Arbeitszeit und leichten Aufgaben. Ein Kindermädchen ist eine professionelle Betreuungskraft mit vollem Gehalt und oft höherer Arbeitsbelastung.
Fazit
Au Pair zu sein bedeutet, bei einer Familie zu leben, den Alltag zu teilen und eine Sprache durch tägliche Anwendung zu lernen. Es ist kein gut bezahlter Job, funktioniert aber am besten, wenn beide Seiten die Grenzen bei Arbeitszeit und Aufgaben respektieren. Deutschland bietet einen kurzen, klar geregelten Aufenthalt mit mindestens 280 Euro Taschengeld im Monat. Die USA bieten ein längeres, stärker reguliertes Programm mit wöchentlichem Taschengeld und Bildungszuschuss.
Vergleichen Sie vor der Entscheidung die Regeln, lesen Sie den Vertrag Zeile für Zeile und sprechen Sie offen mit der Familie. Eine gut passende Gastfamilie kann zu einem der schönsten Jahre Ihres jungen Erwachsenenlebens werden





